INSTRUMENTE & MUSIK

Orientalische Musik-Instrumente

Orientalische Musikgattungen & Geschichte

Orientalische Rhythmen

Quellen
Habib Hassan Touma: "Die Musik der Araber"
Khaled Seif Abou Zeid: “Musik Rhythmus & Tanz im Orient”
Dietlinde Karkutli: "Das Bauchtanzbuch"




Orientalische Musik-Instrumente

In nahezu jedem arabischen Land ähnelt sich die Musik in ihrem Charakter; Seien es die Instrumente oder auch der Gesang, die Melodien sind bemerkenswert einfach in ihrer emotionellen Kraft, tonalen Breite und rhytmischen Dynamik. Auch wenn das geübte Ohr Unterschiede ausmachen und Variationen innerhalb der einzelnen Musik-Stile definieren kann, ähnlich wie Dialekte als regionale Ausprägungen von Sprachen auftreten, der Klang dieser Musik ist unmissverständlch einem speziellen Kulturkreis zuzuordnen.

Die historischen Ursprünge dieser Musik sind nichtsdestorotz äußerst mannigfaltig. Die frühen Arabischen Musikanten wurden von Ägyptischen, Assyrischen oder Sumerischen Quellen beeinflusst. Viele der heute verwendetetn Instrumente entstammen - wie archäologische Funde - und Wandmalereien in Höhlen belegen - uralten Kulturen.


Saiten-Instrumente



Al-Oud (Oud, Üd, Ud oder Laute, von arab. al'Ud= das Holz)

Die Oud gehört zur Familie der Kurzhalslauten. Der Korpus sieht in etwa wie eine halbierte Birne aus; er wird aus Holz gefertigt und verfügt über einen weichen, schmelzenden Klang. Die Oud ist ein Hauptträger der arabischen Musik-Tradition. Bereits in der präislamischen Zeit war sie das beliebteste Instrument gewesen und ist es bis heute geblieben. So orientiert sich das arabische Tonleiter-System an den Bünden der Laute.
Sie ist wahrscheinlich das bekannteste und auch älteste Instrument in der Ahnengalerie der Gitarre. Der Name "Laute" kommt vom arabischen "Al Ud" ("Holz") und weist deutlich auf ihren orientalischen Ursprung hin. Ursprünglich wohl aus Persien stammend kam die Oud im 8. Jahrhundert über das Arabische Andalusien mit den Troubadouren in das mittelalterliche Europa und erlebte hier im 16. Jahrhundert den Höhepunkt ihrer Popularität. Noch Johann Sebastian Bach schrieb Werke für das "arabische Holz", das erst im 18. Jahrhundert durch das klavier ersetzt wurde. Die Bezeichnung für "Laute" weisen in fast allen europäischen Sprachen auf seine arabische Herkunft hin: altspanisch: "alaude", italienisch: "liuto", englisch:"lute", deutsch: "Laute" - einige haben sogar noch den Arabischen Artikel "al". Sie wurde zu einem der wichtigsten Instrumente der abendländischen Musikgeschichte.
Die Laute hatte ursprünglich nur vier Saiten. Jede dieser vier Saiten symbolisiert ein menschliches Temperament bzw. die damals bekannten Körpersäfte wie Blut, die gelbe und die schwarze Galle und das Phlegma. Zitiab, der berühmte andalusische Künstler, fügte im 9. Jahrhundert in Cordoba eine fünfte Saite hinzu - die Seele. Die Renaissance-Laute war in der Regel mit sechs Saitenpaaren ("Chören") in der Stimmung G-C-F-A-D-G bespannt (auf die E- übertragen E-A-D-F#-H-E). In der Barockzeit wurde der Umfang des Instruments auf bis zu 13 Chöre in verschiedenen Stimmungen ("Scordaturen") erweitert. Die Notation erfolgte in Tabulatur. Al-Farabi bezeichnet die Leute als das vollkommenste aller Instrumente.
Die gebräuchlichste arabische Stimmung ist DGADGC, in Syrien und Ägypten werden allerdings Instrumente mit fünf Chören bevorzugt. Der größte Unterschied zur Laute ist das Fehlen von Bünden, die klassischen Oud-Kompositionen sind deshalb einstimmig, oft mit Pedaltönen zur Erzeugung einer sukzessiven Mehrstimmigkeit. Das freie Intonieren erlaubt das Spielen von Mikrointervallen, charakteristisch sind auch Glissando-Effekte. Die arabische Musik folgt dem Kompositionsprinzip des Maqam.




Chitaronne

Der Chitarrone war die größte Art der Baß- oder Erzlauten (ital. "Arciliuto"). Zu den regulären Griffsaiten kamen 5 bis 8 unveränderliche Bordunsaiten. Im Gegensatz zu den Darmsaiten der Laute war der Chitarrone mit Metallsaiten bespannt, die für mehr Brillanz im Ensemblespiel sorgten. Neben Solokompositionen (z.B. Johann Kapsberger: "Intavolatura di Chitarrone é di Lauto", Rom 1611) wurde das Instrument vorwiegend zum Generalbaßspiel verwendet.




Gimbri (Gmbri, Gnibra, Gombri, Gunbri, Gunibri)

This large (1-1.5m) plucked lute is less sophisticated (or more rustic) than the oud, and could be compared to an acoustic bass guitar - making it the "bass of the desert". It has a rounded long neck with one to three strings, made usually with sheep gut; the strings are tuned not with pegs, but with leather bands. Its resonator is rectangular in shape and covered with hide, so it's often used as a drum by slapping and thumping it with the thumb and fingers. The Gnawa brotherhood of Morocco adds a metal jingle on the top of the neck to obtain a special buzzing effect.




Sitar

Description




Kanoun (Qänum, Kanun, Qanun) (arabisch: Regel, Gesetz)

Der Kanoun ist ein Saiteninstrument, das in Aussehen und Klang unserer Zither oder dem Hackbrett ähnelt. Bereits seit dem 10. Jahrhundert bekannt, ist der Kanoun heute sowohl in arabischen Ländern als auch in der Türkei verbreitet. Das Instrument ein großes, rechtwinkliges, trapezförmiges Instrument aus Holz mit 63 bis 84 Saiten. Die Saitenzahl kann je nach geographischer Region variieren. Es wird mit kleinen Zupfplektren an den beiden Zeigefingern. Früher setzte sich der Kanoun-Spieler im Scheidersitz auf den Boden und hielt das schwere Instrument auf den Knien. Heute hat er es etwas leichter: Der Musiker sitzt auf einem Stuhl, und der Kanoun liegt vor ihm auf einem Tisch. Auf diesem Tisch legt übrigens auch die Tänzerin ihre Zimbeln ab, um sie während des Tanzes zur Hand zu haben. Als Vorläufer unseres Cembalos hatte das Kanoun ebenfalls Einfluß auf die europäische Musik. Genauso wie Cembalo oder Klavier spielt die rechte Hand die Höhen - die Linke die Bass-Parts. Mehr als jeds andere Instrument bestimmt der Kanoun die Virtuosität und Ausdruck des arabischen Spiels.




Santur

Der Santur ist eine Kastenzither und im Irak beheimatet. Das Instrument mit einem Nusbaumkorpus ist in Form eines Trapezes angefertigt und verfügt über 92 Drahtsaiten. Im Gegensatz zum Kanoun wird das Santur mit Holzschlegeln geschlagen. Das Instrument verfügt über einen reinen, metallischen Klang.




Rababa, Kamandscha & Dschose

DDie Rababa ist eines der ältesten Saiteninstrumente überhaupt. In ihrer Urform besaß sie nur eine Saite; der Korpus varrierte von Region zu Region und bestand z.B. aus einer halben Kokosnuss, die mit Schaf- oder Fischhaut bespannt wurde oder einem Schildkrötenpanzer. Die moderne Form verfügt über 2 Saiten, die mit einem Bogen gespielt werden. Die Rababa gilt als Urform der Kamandscha (4-saitig bespannt), aus der sich später die europäische Violine entwickelte. Von l-Farabi wurde sie bereits im 10. Jahrhundert als Bestandteil des arabischen Orchesters beschrieben. Vom arabischen Andalusien aus nahm die Rababa den gleichen Weg wie die Laute und wurde bei uns im frühen Mittelalter als "Fiedel" bekannt. Diese ist nun bekanntermaßen die Vorläuferin der Violine. Im 20. Jahrhundert ersetzte man im arabischen Kunstmusik-Orchester im Zuge der "Erneuerung" die Rababa durch die europäische Violine, die Kamandscha oder Dschose. So kehrte sie verändert zum Ausgangspunkt ihrer Wanderung durch Raum und Zeit zurück Heute gehört sie zum festen Ensemble der Saidi-Musik (zusammen mit Mizmar und Tabla Baladi). Ebenso spielt sie in der Ghawazi-Musik, wie auch in der klassischen arabisch-andalusischen Musik (Al-Ala) eine wichtige Rolle. Besonders oft ist die Rababa in der Musik von Metkal Kenawi zu hören.




Imzad

Der Imzad ist eine einsaitige Fidel - mit hölzernem Korpus und Ziegenfell-Bespannung. Der Steg ist zweiteilig. Gespielt wird das Instrument mit einem gerundeten Bogen mit Roßhaarbe.




Buzuq

Der Begriff "Buzuq" kommt vom Türkischen "bashi-buzuq" dem Namen, den die Osmanischen Truppen trugen. Die Buzuq, die ein wichtiger Bestandteil im Repertoire der Rhabani-Musik darstellt, ist ein Instrument, das sich nicht klar in der arabischen oder türkischen Musikwelt einordnen lässt. Sie entspricht wohl am ehesten der westlichen Viola. Bevor Rahbanis das typische Streichinstrument in der Orchesterbesetzung wurden, verband man die Buzuq hauptsächlich mit Zigeunermusik des Libanon oder Syriens. Das langhälsige Instrument ist mit 2 Metallsaiten bespannt, die mit einem Plektrum gespielt werden.




Blasinstrumente


Nay (Nai, Ney, Talawat, Nira, Gasba, Fahl)

Die Nay ist eine an beiden Enden offene Längsflöte aus Bambus- oder Schilfrohr von etwa 60 bis 70 cm Länge, mit 5-7 Grifflöchern vorn und einem Daumenloch auf der Rückseite. Obwohl von der Struktur her ein recht einfaches Instrument - z.B. längst nicht so kompliziert zu spielen wie der Qanun. Der Ton wird erzielt, indem man das obere Ende an die oberen Schneidezähne hält und gegen den Rand der vorderen Öffnung bläst. Die Tonhöhe wird dabei durch die Länge der Flöte bestimmt. Die Nay hat in der arabischen Welt einen besonders hohen Grad an virtuoser Klangqualität erreicht, die besondere seelische Stimmungen, z.B. Sehnsucht und Zerissenheit, sehr gut auszudrücken vermag.
Das instrument hat seinen Ursprung im alten Orient. Archäologen fanden belege dafür auf ägyptischen Artefakten aus dem 3. Jahrtausend v.Chr. In Persien beschreibt das Wort "Nay" eine einröhrige Reedflöte deren Ursprünge auf die Sumerer zurückgeht. Die Sufi und Derwishe benutzten die Nay schon seit dem 11. Jahrhundert um ihre Trance-Zeremonien zu begleiten.




Mizmar (oder auch Mizmar Baladi)

Das Mizmar ist - wie das Wort "Baladi" unterstreicht - ein volkswümliches Blasinstrument, unserer Oboe oder Klarinette ähnlich. Mit kleinen Abweichungen in Form, Material und Größe ist das Mizmar in der gesamten arabischen Welt bekannt. Er findet lediglich in Volksmusik, nicht aber in Kunstmusik Verwendung.

Die Mizmar ähnelt unserer Klarinette oder Oboe und ist in allen arabischen Ländern verbreitet. Dieses volkstümliche Blasinstrument verfügt über einen wahrhaft durchdringenden Klang und wird - wie der Zusatz "Baladi" bereits sagt - ausschließlich in der Volksmusik, nicht jedoch in der Kunstmusik verwandt. Besonders oft begegnet sie uns in der Saidi- und Baladi-Musik. Form, Grösse und Material variieren von Instrument zu Instrument.



Gaitha (Dhaita, Rhaita, Rhita, Ghayta (oboe)

Die Europäer, die zum ersten Mal dieses Instrument lauschten, erwartete wohl eine Überraschung (es sei denn, sie kannten nicht die Schottischen Dudelsackspieler...). Die Gaithas produziert einen lauten und spektakulärem Klang. Diese Art von "Oboe" findet sich überall in der arabischen Musik, vor allem in der nordafrikanischen Folklore. Die konische hölzerne Flöte mit ihren 6-8 Grifflöchern mündet in einem Sack und ist mit einem Metallmundstück versehen. Ähnlich wie bei der Mizmar, nutzt der Musikant hier die zirkulare Atmung, um einen daueraften Ton zu produzieren. Das Instrument wird bei öffentliche Ankündigungen und Festlichkeiten eingesetzt.




Mijwiz & Minjayrah

Mijwiz, was im Arabischen so viel wie "doppelt" bedeutet, ist sowas ähnliches wie eine doppelte Klarinette, die vor allem in Syria, Lebanon und Palestina gespielt wird. In Nord Afrika gibt es ein vergleichbares Instrument: das Maqrum. Der Ton wird wie bei einer Panflöte erzeugt - nur, dass man zusätzlich die Grifflöcher benutzt. In der Hand eines Künstlers kann dieses Instrument sehr gut einen Dialog von zwischen zwei unterchiedlichen Stimmungen interpretieren.




Percussion


Frame Drums

Rahmentrommeln sind Trommeln, deren Durchmesser größer ist, als die Korpus-Tiefe; also alle Trommeln, die einem Tambourine ähneln - mit oder ohne Schellen. Es scheint fast so, dass berall auf der Welt solche Trommeln in Gebrauch sind - sei es die Ägyptische Duff, Riqq, Syrische Duff, oder solche im pakistanischen Stil, Celtic Trommeln. Bodrhams, Chinese Xinjian, Trommeln der Ureinwohner Amerikas, aus Persien, Marokko, Usbekisthan oder Indien. Es gibt die unterschiedlichsten Modelle aus den verschiedensten Materialien - Holzrahmen bespannt mit Ziegen-, Kalbs-, Fisch-, Rind- oder synthetischen Fellen.

Handtrommeln aus dem Mittleren Osten bestehen of aus unterschiedlichen Materialien - Ton oder Metall - Kupfer, Bronze, Aluminum. Dazu eine Vielzahl an Bespannngen. Es ist also nur logisch, dass es so auch eine große Bandbreite an Tonstimmungen und Temperamenten gibt, um dem Klang des dunklen "dum" und des hohen "tak" zu variieren.




Riqq

Der Riqq ist eine Schellentrommel. Als Membran dient eine Fisch- oder Ziegenhaut. Der Rahmen hat einen Durchmesser von ca. 20 cm und ist mit Mosaikplättchen verziert. Darin eingelassen sind zehn Schellenpaare, die in zwei direkt übereinander liegenden Reihen von Schellenöffnungen in gleichmäßigen Abständen rings um den Trommelrand herum angebracht.




Duff oder Mizhar

Duff bzw. Mizhar sind ebenfalls genau wie der Riqq Schellentrommeln. Der Daff - mit einem Durchmesster von 30-40 cm, ist insgesamt flacher als der Riqq und hat nur 5 Schellenpaare. Interessanterweise wird der Daff nur von Frauen, früher meist älteren gespielt und ist damit speziell der Bauchtanzmusik zugeordnet. Der Daff - unser Tambourin - ist ein uraltes Instrument, auf dem sich bereits die Tänzerinnen im alten Ägypten begleitet haben.




Bendir


Das Bendir ist eine vom Marokko bis hin zum Irak gebräuchliche, einfellige Rahmentrommel mit etwa 40-70 cm Durchmesser. Die Zarge ist ca. 10-20 cm hoch. Unter der Trommelmembran (meist Ziegenhaut) verlaufen zwei Snare-Strings - dem typischen berber-Sound. Wie das Mazhar ist auch das Bendir dem religiösen Bereich zuzuordnen - oftmals findet man daher auch Koransuren als Dekor.




Darabukka (Durbakka, Dunbak, Tabla)

Die Darabukka ist eine kelchförmige Trommel aus Ton oder Metall. Sie wird entweder stehend gespielt, indem man sie unter den Arm klemmt oder auch sitzend, dann ruht die Trommel auf den Oberschenkeln. In der Volksmusik wird die Darbukka übrigens auch von Frauen gespielt, in der Kunstmusik jedoch praktisch ausschließlich von Männern. Die Spannung der Trommelhaut (meist Ziegen-, Schaf-, Synthetikfellen oder für Profi-Zwecke Fischhaut) wird durch Hitze oder Reibung künstlich erhöht, um einen satten, hellen Klang zu erzeugen. Die Darabukka ist ein äußerst populäres Instrument in der gesamten arabischen Welt und somit auch für den Orientalischen Tanz, das sowohl in der kunst- als auch in der Volksmusik Verwendung findet.




Naqqarat

Die Naqqarat ist eine Trommel-Paar aus Ton- oder Kupferkesseln, die mit Kamelhaut bespannt sind. Sie werden sowohl in der Kunst- und der Volks- wie auch in der religiösen Musik verwandt. Die Trommel wird mit zwei Schlegeln geschlagen (dum auf der rechten, tak auf der linken Trommel), wobei der Musiker im Schneidersitz sitzt. Die Naqqarat gibt es in verschiedenen größen - bis hin zu riesigen Exemplaren (Naqarya und Naqrazan genannt), die bei Prozessionen rechts und links auf Kamelen oder Eseln transportiert werden, wobei der Musiker auf dem Rücken des Tieres sitzt.




Zymbeln (arabisch: Sagat, Zagat, türkisch: Zills)

Zymbeln sind in vielen verschiedenen Größen und Ausführungen erhältlich. Sie sind eines der wichtigsten Begleitinstrumente der Bauchtänzrinnen.



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